Konzertsaison 2019

BASILIKA BIRNAU

Werkeinführung

In bewährter Weise finden vor den 4 Birnau-Konzerten jeweils um 16 Uhr Einführungsvorträge durch den musikalischen Leiter im Kirchenraum statt, die jeweils 30 Minuten dauern.
Für Karteninhaber sind die Konzerteinführungen kostenlos.

Jahresprogramm 2019

SONNTAG, 24. März 2019 - 18 Uhr, Insel Reichenau

Münster Mittelzell
Johann Sebastian Bach | Johannes-Passion BWV 245


Verena Gropper, SOPRAN
Andreas Pehl, ALTUS
Georg Poplutz, TENOR
Benedikt Eder, BASS
Barockorchester L‘arpa festante auf historischen Instrumenten

Karten demnächst hier erhältlich >>
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SONNTAG, 5. Mai 2019 - 17 Uhr, Basilika Birnau

Claudio Monteverdi | Marienvesper SV 206

Monika Mauch, SOPRAN 1
Verena Gropper, SOPRAN 2
Robert Sellier, TENOR 1
Christian Rathgeber, TENOR 2
Andreas Burkhart, BARITON
Barockorchester L‘arpa festante auf historischen Instrumenten

Karten demnächst hier erhältlich >>

Ausführliche Werkbeschreibung Marienvesper

„Le nuove musiche"

Es waren bewegte Zeiten um das Jahr 1600 herum, ein elementarer musikalischer Umbruch vollzog sich. Die bis dahin maßgebende niederländische Musikkultur mit der kunstvollen franko-flämischen Vokalpolyphonie - Palestrina und di Lasso gelten mit ihren Motetten als die hervorragenden Vertreter - wurde abgelöst durch einen neuen aus Italien stammenden Stil, die Monodie. In diesem reich und subtil durch einen Generalbass begleiteten Sologesang waren nun wieder deutliche Textdarstellung und -ausdeutung möglich, nach der Dominanz der kunstvoll geführten polyphonen Linien wurden harmonische Wirkungen wie Dissonanzen und die Führung einer einzelnen Melodiestimme wieder spürbar. Obwohl mitunter auch mehrstimmige Motetten oder Madrigale solistisch ausgeführt worden waren, blieb die Vokalpolyphonie doch eine Ensemble- und Kollektivkunst. Nun gewann rasch der solistische Gesang an Bedeutung, entsprechend wuchs das Interesse an Virtuosität und Charakteristik der Stimmen, die Gesangspädagogik bekam neue dankbare Aufgaben. Formen und Gattungen wie geistliches Konzert, Solokantate oder gerade Oratorium und Oper waren nur in monodischer Stilistik denkbar.
Claudio Monteverdi, Jahrgang 1567, erlebte diesen gleitenden, aber gleichwohl unaufhaltsamen Übergang als ausübender und komponierender Musiker in voller Kraft. Der jungen Gattung Oper, die kurz vor 1600 in Florenz durch den Künstler- und Gelehrtenkreis der „Fiorentiner Camerata" (vom Grafen Bardi durch den notwendigen mäzenatischen Eifer unterstützt) gegründet worden war, schenkte er 1607 mit „Orfeo" das erste Meisterwerk. Einer blutarmen Kopfgeburt von Kunstenthusiasten, die vorgaben, die griechische Tragödie wiederbeleben zu wollen, flößte er dramatisches Feuer und musikalisches Leben ein. Schon im „Orfeo" geht er den Weg, den alten Stil nicht einfach aufzugeben, sondern als „prima prattica" etwa in den Chören der neuen Monodie in den Sologesängen, der „seconda prattica" gegenüberzustellen.
So gewinnt er reiche musikalische Möglichkeiten, vermeidet Einförmigkeit und verbindet die kunstvollen Komplexe des alten Stiles mit den Ausdrucksmöglichkeiten des neuen.

Mantua und Venedig
Bereits 1582 hatte der damals 15 Jahre alte Monteverdi während seiner gründlichen Ausbildung ein erstes gedrucktes Opus, eine geistliche Liedsammlung, vorgelegt, in den folgenden Jahren machte er durch Madrigalbücher weiter von sich reden. 1589 bewarb er sich ohne Erfolg um eine Stelle in Mailand, auch den Posten des Domkapellmeisters hatte er ehrgeizig im Auge, im Jahr darauf ging er dann nach Mantua in die Dienste der Gonzaga-Herzöge, zunächst als Musiker, dann als Kapellmeister. Doch deren Gunst schwankte, auch die Zuverlässigkeit der Honorarzahlung und die Attraktivität der Arbeitsbedingungen waren nicht konstant, 1612 ergab sich der bemerkenswerte Vorgang, dass Monteverdi, mit 45 Jahren ein gereifter Meister und eine der gefragtesten Größen unter den Komponisten Italiens, wegen Sparmaßnahmen und eines ungeklärten Grolls des Dienstherren quasi von einem Tag auf den anderen entlassen wurde und ohne Stellung auf der Straße stand (seinem gleichfalls dort angestellten Bruder ging es genauso). Im Jahr darauf wendete sich alles zum Guten und Monteverdi wurde als Kapellmeister nach San Marco in Venedig berufen.
Noch vor diesem Eklat in Mantua legte Monteverdi 1610 seine „Marienvesper" vor, wohl eine Bewerbungsunterlage für eine Stellung in Rom. Doch auch für die Ernennung in Venedig dürfte dieses ebenso traditionsgestützte wie neuartige Werk wichtig gewesen sein. John Eliot Gardiner vertritt nach Durchsicht einiger Dokumente des Staatsarchivs von Venedig die Auffassung, die „Marienvesper" könnte beim „Probespiel" Monteverdis dort erklungen sein.

Prima prattica und seconda prattica
Zwischen die Psalmvertonungen der „Marienvesper" stellt Monteverdi an die Stelle der traditionell dort gesungenen Antiphonen ein- und mehrstimmige Vokalkonzerte (Motetten), in denen er den neuen Stil entfaltet. In ausgedehnten Koloraturen und mit später nur noch selten genutzten Repetitionstrillern zeigen die Sänger ihre Virtuosität, aber auch ihre Kunst in sinntragender und eindringlicher Deklamation - Höhepunkte sind etwa das „Duo Seraphim" Nr.7, das sich dann zum Terzett weitet, oder das „Audi coelum" Nr.9 mit seinen Echowirkungen, die so ähnlich auch in der großen Soloszene des „Orfeo“ zu Beginn des 5.Akts der Oper zu hören sind. Auf der anderen Seite ist auch die „prima prattica" mit ihrem kontrapunktischen Denken und ihrer Anbindung an Choräle im Cantus firmus zur Meisterschaft gebracht, etwa in den abschließenden Sätzen „Ave maris stella" und besonders dem „Magnificat". Im alten Stil neuartig sind indes die instrumentalen Zwischenspiele, die Ritornelle in den Vertonungen der Psalmen.
Wer erstmals die „Marienvesper" hört und Monteverdis „Orfeo"-Oper kennt, ist nicht wenig verblüfft - die signalhafte Toccata der Oper bildet auch hier als Eröffnungsfanfare, der Hörer wird fast überrumpelt und festlich empfangen. Bis auf die Vertonung des letzten Wortes „Alleluia" deklamiert der Chor den Text im unablässigen Wiederholen des D-Dur-Akkordes über prachtvollen Instrumentalstimmen.
Die Falsobordone-Technik, der akkordische, gemeinsam artikulierte Vortrag des Textes, prägt neben Choralverarbeitungen (etwa im „Virgam virtutis tuae") den Ablauf des an zweiter Stelle stehenden „Dixit Dominus" (Psalm 109). Hier wie durchweg gilt: die Verteilung der Musik auf Soli und Chor ist nicht von Monteverdi festgelegt, auch von der instrumentalen Begleitung her gibt es viel Freiheiten der Besetzung und der Kombination, sowohl in den Oberstimmen wie im Basso continuo. Hier gilt es in jeder Aufführung angesichts der Größe des aufführenden Apparates, der Gegebenheit des Raumes und auch der ökonomischen Rahmenbedingungen eine individuelle Fassung zu erstellen.
Das erste „Concerto" „Nigra sum", das sich anschließt, ist das schlichteste der gesamten „Marienvesper" - einstimmig und als freies Rezitativ gestaltet. Der Leitgedanke, dass Monteverdi Altes und Neues kunstvoll kombiniert und durch Verzicht auf die Preisgabe der Tradition seine künstlerischen Möglichkeiten erweitert, zeigt sich auch in der Psalmvertonung „Laudate pueri" (Psalm 112). In alter Motettentechnik wird ein neuer Textbaustein jeweils von einer Stimme eingeführt, von den anderen imitiert und weitergeführt (hier eingangs „Laudate pueri" vom Tenor 2, „Laudate nomen" von Alt 2 und Tenor 2), dazwischen treten virtuose Koloraturen (wohl für Soli gedacht) über (gut vom tutti ausführbare) Choralstellen - Beispiel : „Excelsus super" der Tenöre zu Choralweise im Sopran 1. Reizvoll dann der Übergang zur beschwingt tänzerischen Stelle „suscitans a terra" im 3/2-Takt.
Im zweiten Concerto „Pulchra es" hören wir - als Steigerung zu „Nigra sum" schon zwei Solostimmen, der rezitativische Grundgestus wird an affektgeladenen Textstellen (beim zärtlichen „amica mea" etwa oder bei „decora" [lieblich] oder bei der erregten Flucht am Ende „avolare") zu bewegten Linien geweitet. Der Psalm 121 „Laetatus sum" fällt durch seine prägende stufenweise schreitende Bassführung auf, mal in flotteren, mal ruhigeren Notenwerten.
Von einzigartiger Wirkung ist das „Duo Seraphim" - zwei Engel stimmen den Gesang von der Heiligkeit Gottes an, in Echowirkungen und Abwechslungen, im Dialog und parallelen Zwiegesang. Als sie auf Gottes Dreifaltigkeit zu sprechen kommen, tritt eine dritte Solostimme hinzu und fügt damit eine weitere Dimension bei.
Obwohl Monteverdi ja zum Zeitpunkt der „Marienvesper" noch nicht in Venedig arbeitete, entfaltet der 8.Satz, das „Nisi Dominus" (Psalm 126) schon die Pracht venezianischer mehrchöriger Kirchenmusik. Um den Cantus firmus als Scharnier gleichermaßen hören wir zwei vierstimmige Chöre, mal nacheinander, mal miteinander.
Von der schon erwähnten Echowirkung mit ihren meditativen Pausen und Übergängen lebt das Concerto „Audi coelum" - da die nachschwingende Echostimme die letzten Worte nicht ganz, sondern teilweise wiederholt, ergeben sich interessante Wortspiele: gleich anfangs singt die Hauptstimme „perfusa gaudio" (etwa „von Freude durchströmt"), das Echor retouniert: „audio" („ich höre"), am Ende wird aus „dulce miseris solamen" im Echo „Amen". Der Chor schließt an, im ausklingenden „Benedicta es, virgo Maria" ist sicher einer der emotionalen Höhepunkte des Werkes zu finden.
Von Schwierigkeitsgrad, Komplexe, Dichte und Tempo her erreicht die Kette der Psalmvertonungen mit Satz 10 „Lauda Jerusalem" (Psalm 147) ihren Höhepunkt - die Tenöre bilden mit dem Choral das Herz des Geschehens, zwei dreistimmige Chöre figurieren darum herum.
Kunstvolles reiches Instrumentalspiel mit rhythmischen und metrischen Feinheiten prägt die „Sonata" über die Weise „Sancta Maria", die einstimmig immer wiederholt in das Geschehen eingeblendet ist.
In sieben Strophen - vom einstimmigen Vortrag der gregorianischen Weise über Generalbaß bis zum achtstimmigen Chorsatz - erklingt als 12.Satz der Hymnus „Ave maris stella", reiche Instrumentalritornelle gliedern und verbinden die Strophen.
Der berühmte Lobgesang Marias, das „Magnificat anima mea" krönt als ausgedehntester Satz den Bau der „Marienvesper", alle Möglichkeiten virtuosen Sologesangs, der Choralbearbeitung, des Instrumentalspiels in den Ritornellen und der Dichte des vielstimmigen Chorgesanges werden nochmals aufgeboten und gesteigert.

Werkgestalt
Auch wenn die „Marienvesper" mittlerweile als Gipfelwerk der Kirchenmusik gleichsam kanonisiert ist, muss klargestellt werden, dass die Gestalt des Werkes nicht so gedacht gewesen sein muss. Möglicherweise handelt es sich um eine freie Zusammenstellung von Psalmvertonungen und solistischen Motetten zur Bewerbung in Rom (in der übrigens auch noch eine Messvertonung enthalten ist), die nicht den Charakter eines geschlossenen Opus beanspruchte. Eine komplette Aufführung durch Monteverdi ist bis heute nicht belegt. Auch hat er den letzten Satz, das „Magnificat", noch in einer weiteren Fassung hinterlassen: für sechs Stimmen und basso continuo, also ohne den instrumentalen Reichtum. Wenn man diese Vertonung wählt, können auch die instrumentalen Ritornelle der anderen Sätze unterbleiben, man hat dann eine kargere und „günstigere" Aufführung. War dieses andere „Magnificat" als Alternative gedacht? War es eine Vorstufe zum heute gebräuchlichen? War es andererseits vielleicht das letztgültige? Dürfen wir uns - wie schon bei der Verteilung mehrstimmiger Passagen auf Soli und Tutti und die Frage der instrumentalen Besetzung - auch hier wieder drei fühlen? Wie auch in Bachs h-moll-Messe und in Mozarts c-moll-Messe oder dessen Requiem bleiben Fragen offen, wie ein zentrales Werk der oratorischen Musik in Aufbau und Zielsetzung zu verstehen ist.

Prof. Thomas Gropper

SONNTAG, 30. Juni 2019 - 17 Uhr, Basilika Birnau

"CHORBEGEGNUNG"
Kammerchor Chur - Birnauer Kantorei
Johannes Brahms | Ein Deutsches Requiem (Londoner Fassung mit Klavier)
& Chorwerke (Marienlieder op. 22)


Judith Spiesser, SOPRAN
Andreas Burkhart, BARITON
Mirjam von Kirschten & Heiko Stralendorff, FLÜGEL

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SONNTAG, 28. Juli 2019 - 17 Uhr, Basilika Birnau

Joseph Haydn | Theresienmesse Hob. XXII:12
Symphonie Nr. 45 „Abschieds-Symphonie“

Lilli Jordan, SOPRAN
Diana Schmid, ALT
Magnus Dietrich, TENOR
Micha Matthäus, BASS
Barockorchester L‘arpa festante auf historischen Instrumenten

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SONNTAG, 6. Oktober 2019 - 17 Uhr, Basilika Birnau

Giuseppe Verdi | Messa da Requiem

Susanne Winter, SOPRAN
Regine Jurda, ALT
Thomas Heyer, TENOR
Raphael Sigling, BASS
Mitglieder der Arcis-Vocalisten München
Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz

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Intern

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